17/09 2010
Die Ebene der Steinkruege - eine fruehzeitliche Huettenanlage?

- Die karge Landschaft der Provinz Xieng Khouang
Phonsavan eine weitlauefige Siedlung auf 1100 Metern ueber dem Meer, in einem Hochtal der annamnitischen Kuestenkordilliere. Kreuzungspunkt historischer Karawanenwege zwischen den Nordthailaendischen Koenigreichen, dem Mekhong Valley und dem Khoratplateau, mit besten Verbindungen nach Yunnan in Suedchina und Vinh in Vietnam am Golf von Tongking.
Hier in einer weitgehend baumlosen Landschaft befinden sich die Plaines des Jarres. Zumeist in Reihen entlang von Haengen angelegte Ansammlungen von Steinkruegen aus einem basaltaehnlichen Material. Viele Erklaerungen und Legenden ranken sich um die Gefaesse von unterschiedlicher Groesse. Da organisches Material nur als Inhalt einiger Kruege gefunden wurde, konnte eine genaue Datierung bislang nicht vorgenommen werden. Ein Bezug zwischen Herstellungszeit und Zweck der Anlagen war ebenso wenig feststellbar. Intensive Forschungen unterblieben denn die Region blieb war ueber weite Abschnitte des 20. Jahrhunderts unsicher. Aufstaende oder wenigstens Ueberfaelle der in den Bergen siedelnden Hmong verhinderten eine intensivere Untersuchung oder gar Entwicklung der Region. Selbst in den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts waren gerade einmal rund 600 europaeischstaemmige Franzosen auf dem Gebiet des gesammten heutigen Laos gemeldet. Fuer sorgfaeltige Studien einer fruehzeitlichen Kultur im auch verkehrstechnisch kaum erschlossenen Hochland der annamnitischen Kordilliere fehlte einfach die personelle Kapazitaet. Der zweite Weltkrieg unterbrach weitere Entwicklungs- und Erforschungsversuche. Die diversen politischen Umwaelzungen im Rahmen der folgenden Indochinakriege sorgten dafuer, dass die Plaine des Jarres bis in die Mitte der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts fuer die Forschung ein unerreichbares Gebiet blieb. Daran aenderte sich auch mit dem Sieg der kommunistischen Kraefte wenig denn nun war die Region zum einen hochgradig mit Minen und Blindgaengern belastet und zum anderen in ein Spannungsfeld sowohl der siegreichen kommunistisch sozialistischen Fraktionen als auch der verbliebenen Gegner von der Hmong Resistance geraten. Erst mit dem Zereissen des Bambusvorhangs im Rahmen des Niedergangs der kommunistischen Maechte setzte eine Oeffnung ein, die zunaechst allerdings ein wenig wissenschaftliches sondern allenfalls touristisches Echo fand. Der siegreiche Kapitalismus hatte besseres zu tun als Forschungen ueber den Hintergrund fruehzeitlicher Steinmetzarbeiten zu finanzieren. In der Region ist die Zahl noch nicht erschlossener fruehzeitlicher Staetten deutlich groesser als die zur Erforschung notwendigen Kapazitaeten vorhanden waeren. So blieb die Plain of Jars auch in den Jahren nach dem Fall des Bambusvorhangs die Domaene der Mysteriensucher.
Mittlerweile ist die Region wieder in den Fokus des wirtschaftlichen Interesses gerueckt. Nach den Touristen kamen die Geologen – und entdeckten, dass die jeweiligen Herrscher auf einer gewaltigen Schatztruhe sassen – wohl ohne dies zumeist zu wissen. Phonsavan befindet sich wie aus einer Karte der ASEAN Development Bank zu ersehen ist inmitten eines Mineralienguertels, den auszubeuten mittlerweile eine hektische Aktivitaet eingesetzt hat. Wie in kaum einer anderen Gegend der Welt wurden die Erschliessungsvorhaben allerdings bislang geheim gehalten. Zwar gibt es ein von der Struktur her gross angelegtes Goldfoerderprojekt eines australischen Konzerns inmitten der benachbarten, ehemaligen „Saisombun Special Zone“, einem Gebiet in dem bis vor kurzem noch Hmong Rebellen angebliche Aufstaende probten. Ansonsten tauchen die Minenaktivitaeten der zumeist chinesischen, thailaendischen oder vietnamesischen Akteure hoechstens als Anfrage nach Bergbaukonzessionen in Regierungsstatistiken auf. Allerdings sollte die forcierte Entwicklung eines Schienenprojektes von Kunming nach Nong Kai in Thailand sowie die thailaendischen Planungen zum Ausbau des nationalen Bahnnetzes Beobachter nachdenklich machen. Welches Interesse sollte der machtpolitische Hauptakteur der Region an einer Schnellbahnverbindung nach Thailand haben. Besonders merkwuerdig erscheint in diesem Falle die Trassierung mitten durch eine der mit am schwierigsten zu meisternde Bergregionen in Suedostasien. Thailaendische Ueberlegungen das Bahnnetz auf Normalspur umzustellen und die Bahnverbindung zu den Industriegebieten und dem Hafen von Rayong auszubauen naehren die Hypothese, dass der chinesische Gigant seinen Rohstoffhunger nun auch in einer der moeglicherweise aeltesten Bergbauregionen der Welt zu stillen gedenkt.
Genau letzteres naemlich scheint die Gegend um Phonsavan zu sein wenn man die mittlerweile entdeckten ergiebigen Mineralienvorkommen mit einigen anderen Fakten in Beziehung setzt um anschliessend seine Schlussfolgerungen zu ziehen.
Im Umfeld von Phonsavan befanden sich eine Reihe historischer Kulturen von deren Existenz wir heute vor allem durch erhaltene Bronzearbeiten wissen. Im Sueden findet sich das bronzezeitliche UNESCO Weltkulturerbe von Ban Chiang, im Norden (dem heutigen Yunnan)entwickelten die fruehchinesischen Dian Koenigreiche eine grosse Kunstfertigkeit in der Bronzeverarbeitung. Richtung Westen fanden sich in der thailaendischen Zentralebene verschiedene Fuerstentuemer die letztlich mit den burmesischen Monkoenigreichen in Verbindung gebracht wurden derweil am Golf von Tongking die Kulturen der Cham und weiter suedlich des Koenigreichs Funan beheimatet waren. Allerdings finden sich in den Gebieten dieser Kulturen scheinbar kaum Kupfervorkommen welche die Existenz einer hochentwickelten Bronzeverarbeitungskultur erklaeren koennten. Das Rohmaterial muss folglich an einer Stelle gewonnen worden sein, an der es als gediegenes Kupfer oder Malachit an der Erdoberflaeche auffindbar oder zumindest oberflaechennah leicht foerderbar war. Mit Blick auf die geologischen Karten koennten diese Bedingungen auf das Hochland um Phonsavan zur Zeit der Entstehung der Steinkruege zugetroffen haben. Das Berggebiet um die heutige Porvinzhauptstadt ist unserer Tage weitgehend unbewaldet. Die meisten Besucher fuehren dies auf die immense Gewalt der Bombenangriffe waehrend des zweiten Indochinakriegs zurueck doch die Deforestification reicht weit uber das damalige Kampfgebiet hinaus. Auch waere die Hoehenlage einem schnellen Wachstum von in Mittelgebirgen heimischen Baeumen nicht hinderlich gewesen wie sich an den zahlreichen Kiefernhainen in der Umgebung zeigt. Allerdings koennte der immense Holzkohlenbedarf bei der Kupeferschmelze zu einer bereits fruehzeitigen und dauerhaften Entwaldung der Region gefuehrt haben.
Das Gegend um die heutige Verwaltungszentrum Phonsavan und die fruehere Provinzhauptstadt Mouang Khoun standen frueh im Fokus der regionalen Interessen. Nur selten konnte das hier befindliche kleine Fuerstentum seine Unabhaengigkeit gegenueber den grossen Nachbarn, Vietnam, Thailand und China, behaupten. Bei diversen Kriegszuegen wurde es immer wieder zerstoert und doch gilt das historische Muang Khoun manchen Historikern als dem heute so populaeren Luang Prabang einst ebenbuertig. Bei Betrachtung historischer Bilder des in den sechziger Jahren bei Kampfhandlungen voellig zerstoerten Oertchens mag dies uebertrieben erscheinen. Jedoch verfuegte die Provinzkapitale fuer ihre Abgelegenheit und die Vielzahl der ueber die Jahrhunderte erlittenen Zerstoerungen ueber eine erstaunliche Anzahl qualitativ hochwertiger Sakralbauten.
Mittlerweile folgen wieder Strassen den moeglichen Trassen in Richtung jener sich einst als potentielle Handelsregionen anbietenden Kulturlandschaften. Die regionale Topographie zeigt eine fast schon logische Streckenfuehrung von Handelswegen deren Knoten im Gebiet der Plain of Jars gelegen haette.
Kulturgeographisch betrachtet haette die Region also alle Bedingungen als fruehzeitliche Industrieregion erfuellt.
Es stellt sich also die Frage ob die Steinkruege Behaeltnisse fuer die Kupferverhuettung gewesen sein koennten. Wir wollen diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten.
Kritiker erklaerten bereits auf unsere ersten Fragen zu einer moeglichen fruehindustriellen Vergangenheit der Plaine des Jarres den Gedanken fuer abwegig. Wesentliche Argumente gegen eine entsprechende Verwendung der „mysterioesen“ Steinkruege waren das Fehlen von Schlackenresten in der Umgebung der Kruege, die ebenfalls nicht vorhandenen Belueftungsduesen sowie die Abwesenheit von Metallrueckstaenden innerhalb der Kruege. Keines dieser Argumente spricht jedoch wirklich gegen eine entsprechende Verwendung der Behaelter. Zum einen schmilzt gediegenes Kupfer oder Malachit bereits bei relativ geringen Temperaturen. Eine entsprechende Belueftung der Kruege von unten waere somit nicht noetig. Was die Belueftung der Kruege von oben angeht, so befinden sich diese in einer Anordnung die zum einen die Orientierung an Windschneisen vermuten laesst, zum anderen haetten geflochtene Windfaenge fuer eine Luftzufuhr von oben sorgen koennen. Fuer die Verhuettung von gediegenem Kupfer waeren die auf diesem Wege erreichbaren Temperaturen ausreichend gewesen.
Weder gediegenes Kupfer noch Malachit hinterlassen bei ihrer Schmelze grosse Schlackenmengen. Bei dem zu erwartenden erheblichen Aufwand kann vielmehr davon ausgegangen werden, dass die entstandene Luppe auf feinste ausgeschmiedet worden waere. Schlacken (selbst wenn in geringem Umfange entstanden) waeren so kaum aufzufinden da diese nur bei der Erzverhuettung als Reste verbleiben. Abgesehen von den beschriebenen Argumenten die gegen ein Vorhandensein von Verhuettungsrueckstaenden spraechen wurde bislang soweit bekannt noch nicht ernsthaft nach selbigen gesucht. Dass sich innerhalb der Kruege bislang keine Metallrueckstaende gefunden haben, wuerde sich aufgrund der aufwendigen Herstellung der Kruege recht einfach erklaeren lassen wenn die Schmelzmeister vor dem einbringen des Rennfeuers diese innen mit dem Lehm der Umgebung ausgekleidet haetten. Der Lehm wuerde im Brennvorgang hart und liesse sich nach dem Erkalten mitsamt des gesamten Inhalts deutlich einfacher entfernen lassen als dies bei einem direkten Einbringen der Schmelzmasse moeglich gewesen waere.
Soweit die Hypothese. Weitere Ergebnisse werden sich nur durch intensive Vorortstudien erbringen lassen. Es scheint jedoch klar, dass das Mysterium der Plaines des Jarres eine moeglicherweise ueberaus rationale Loesung, vergleichbar den Studien israelischer Archaeologen zu diversen Bibeltexten in sich birgt.
Autoren: Diplom Geograph Hans Lipp, Diplom Geograph Tillmann Otto, Diplom Ingenieur Ulrich Muenstermann (Bergbaumuseum Fischbach)
