Tempelkonflikt
Einer der schönsten Khmer Tempel Prasat Phra Vihear ist einmal mehr zum Zankapfel zwischen Kambodscha und Thailand geworden. Um den Erhalt der Anlage zu gewährleisten und Fördergelder der Weltgemeinschaft zu erhalten wurde für die exponiert auf einem Felssporn gelegene Anlage Weltkulturerbe Status beantragt. In der Folge tauchten hässliche Informationen aus den Aktenregalen der thailändischen Regierung ebenso auf wie längst vergessen geglaubte Nationalismen und unglückliche juristische Entscheidungen aus den sechziger Jahren. Zunächst einmal wurde vor langer Zeit von einem UN-Gerichtshof die heikle Entscheidung gefällt, dass der von kambodschanischer Seite bislang nur auf Dschungelpfaden erreichbare Tempel zu Kambodscha gehöre – über den Boden auf dem der Tempel steht wurde nicht entschieden. ZU Zeiten des Bürgerkrieges setzten sich verschiedene Parteien auf dem gut geschützten und strategisch wichtigen Felsen fest. Parolen, Kriegsschrott und Minen zeugen heute noch von jener Zeit. Schließlich tauschte angeblich der vormalige Premierminister Thaksin Shinawatra den Boden des Tempelgeländes gegen eine Konzession für einen Kasinobetrieb in Kambodscha. Letzteres rief nun die thailändische Opposition auf den Plan, die der national orientierten Regierung Verrat vorwarf. Die Folge waren – Militäraufmärsche zu beiden Seiten der Grenze, Angriffe auf Geschäfte thailändischer Firmen in Kambodscha. Bei alledem müssen sich die beteiligten Parteien klar sein, dass Khmertempel in fast ganz Thailand und Kambodscha existieren. Die thailändische Kultur ist das Ergebnis einer Mischung aus vielen älteren Kulturen. Das Nationalheiligtum Thailands, der Emerald Buddha stammt vermutlich aus China. Der Isaan ist von Laoten, Khmer, Suay und diversen anderen kleinen Volksgruppen besiedelt erst seit rund zweihundert Jahren integrierter Bestandteil des thailändischen Königreichs. Für jede thailändische Regierung wird der Tempel im Domrak wichtiger Bestandteil des Anspruch auf eine regionale Führungsrolle aber auch auf den inneren Zusammenhalt des Vielvölkerstaats sein. Ob zur Erreichung dieser Ziele geheime Abkommen privater Art zwischen Regierungen oder militärisches Säbelrasseln hilfreich sein mögen – dies einzuschätzen bleibt dem neutralen Beobachter überlassen, selbst zu entscheiden.Für Gäste Thailands und Kambodschas bleibt zu hoffen, dass Arbeiten zum Erhalt wie Besuch der rund eintausend Jahre alten Anlage auch in Zukunft möglich sind.